Das (un)verständliche Problem mit den Corona Regeln.

22.10.2020
Andreas Keck
Das (un)verständliche Problem mit den Corona Regeln.

Eigentlich ist das doch ganz einfach und gilt weltweit: Halte mindestens 1,5 m Abstand zu anderen Menschen und meide Menschenansammlungen in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen. Wenn das nicht geht, trage eine medizinisch, nicht modisch, taugliche Maske – und zwar über Mund und Nase. Nutze die Corona App und hilf den Behörden im Ernstfall die Infektionskette schnell zu identifizieren, in dem Du z.B. in Restaurants brauchbare Angaben machst. Donald Duck oder Donald Trump sind selten hilfreiche Namensangaben und im Zweifel auch überhaupt nicht witzig.

Aus diesen Grundregeln sollte sich jedem noch so geistig minderbemitteltem erschliessen, dass z.B. Parties oder Clubbing definitiv nicht angesagt sein sollten. Und dass es dem Virus völlig egal ist ob sich um eine geschäftliche, öffentliche oder um eine private Feier handelt, sollte auch einleuchten.

Wenn sich jeder an die leicht nachvollziehbaren Corona Grundregeln halten würde, bräuchte es eigentlich gar keine weiteren Regeln

Aber dem ist halt nicht so. Viele Menschen handeln nicht eigenverantwortlich und verzichten von sich auf soziale Kontakt mit Ansteckungsgefahr sondern suchen nach Lücken in Verordnungen um sie trotzdem möglich zu machen. Clubs und Bars nicht erlaubt? Dann treffen wir uns halt in Parks und auf Plätzen und machen dort Party. Und nach dem dritten Bierchen sehen wir das mit den AHA Regeln nicht mehr so eng. Und wenn wir im Resto nur noch mit maximal 2 Hausständen zusammenkommen dürfen, dann interpretieren wir auch Pärchen, die in unterschiedlichen WGs wohnen, mal als „ein Hausstand“ und schwupps sind die staatlichen Regeln eingehalten und die medizinischen gebrochen.

Mit dem Ruf nach staatlichen Regeln stehlen wir uns letztlich aus der Verantwortung.

Im Falle eines Falles sind wir dann nicht schuld, weil wir uns ja eigentlich weitgehend an die Regeln gehalten haben. Anstecken tun sich ja nur andere und wenn, dann wird es schon nicht so schlimm sein. Und ausserdem wäre es ja gut, wenn man es gehabt hätte und endlich wieder frei leben könnte.

Vielleicht sollten wir bei mutwilliger oder fahrlässiger Missachtung der AHA-Regeln eine Mithaftung definieren?

Eine Art Schadenersatz für Behandlungskosten und Verdienstausfall? Was würde dann passieren? Leider auch nichts Gutes. Es käme zum freiwilligen Lockdown, weil die meisten Menschen aus Angst vor finanziellen Nachteilen zu Hause bleiben würden. Auch keine gute Idee also.

Was also dann tun?

Vermutlich ist es richtig – und das schmerzt mein liberales Herz – strafbewehrte Regeln auf- und durchzusetzen, welche die Infektionskette unterbrechen helfen. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass diese möglichst einfach sein müssen. Und damit auch zu Ungerechtigkeiten führen. Beispiel gefällig? Gerne. Nehmen wir zwei Restaurants. Oder zwei Klassenzimmer. Eines mit modernster Belüftung und Virenfiltern und eines ohne eine solche. Die Regeln für einen Aufenthalt dort bzw. das Hygienekonzept könnten (und sollten) jeweils völlig anders sein. Oder Veranstaltungen – eine gesittete Verbandstagung ist etwas völlig anderes als ein Rockkonzert. Warum also alles über einen Kamm scheren?

Mein Wunsch wären Regeln, die nicht Verhalten vorschreiben, sondern Leitplanken definieren.

Die Leitlinien für die Leitplanken sollten die Indikatoren für ein Ansteckungsrisiko sein, also Nähe, Dauer des Kontakts, Luftqualität, Belüftung etc. Dann könnten die Regeln individueller, nachvollziehbarer und vermutlich auch akzeptabler werden. Vermutlich würden solche Regeln sogar die Wirtschaft ankurbeln und zu einem Wettbewerb unter Restaurants, Geschäften und Büros führen, wenn es differenzierte behördliche Auflagen gäbe.

Über allem steht natürlich die Hoffnung auf eine Impfstoff oder ein Heilmittel gegen covid-19. Bis dahin müssen wir aber mit lästigen Regeln leben, die unser soziales Leben massiv einschränken.

Lasst uns diese Regeln deshalb möglichst klug gestalten.

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