Bitte mehr Intellekt statt Ideologie.

02.02.2019
Andreas Keck

Wenn Politiker und Lobbyisten unterschiedlichster Colour jetzt erbittert um Messmethoden und Grenzwerte streiten, zeigt sich für mich eines: Sie haben das Problem und die daraus resultierenden Herausforderungen nicht verstanden.

Für mich ist nämlich folgendes unstrittig:

  1. Jede weitere Verbrennung einer knappen Ressource Erdöl um damit Fahrzeuge anzutreiben ist schlicht unverantwortlich und sollte schnellstmöglich beendet werden.
  2. Treibhausgase wie COx aber auch NOx und viele andere müssen wir auf breiter Front reduzieren.
  3. Unsere Städte brauchen Mobilität mit deutlich weniger Schadstoffemissionen inkl. Feinstaub und mit einem deutlich geringeren Verbrauch der Ressource Raum.

Unsere Automobilindustrie wäre gut beraten, wenn sie mit Hochdruck neue Produkte und Dienstleistungen nicht nur entwickeln sondern endlich auch auf den Markt brächten, die die oben genannten Bedingungen erfüllen.

Auf dem Weg zu emissionsfreier Mobilität sollten wir bewährte Technologien wie moderne Diesel nicht verteufeln sondern als das betrachten, was sie vermutlich sind: Automobile mit einer Übergangstechnik. Aber wer weiss schon ob Verbrennungsmotoren zukünftig nicht vielleicht völlig emissionsfrei betrieben werden können mit Hilfe entsprechender Filter und im Rahmen einer Kreislaufökonomie auf Basis von z.B. Power-to-Gas Konzepten?

In unseren Städten sollten parkende Fahrzeuge auf den Strassen schnellstens der Vergangenheit angehören. Das heisst aber nicht, dass wir den individuellen Besitz an Fahrzeugen verbieten sollten, wir sollten eher für Alternativen sorgen: Besserer ÖPNV, bessere Rad- und Fusswege, mehr Sharing von Autos, Rädern, Rollern oder was sonst auch immer smart und ökologisch Mobilität ermöglicht, eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger und mehr unterirdischer Parkraum. Auch zukünftig soll man mit dem eigenen (möglichst emissionsfreien) Auto in die Stadt fahren dürfen – das Parken sollte aber ausserhalb von Parkhäusern regelmässig nur zum Be- und Entladen erfolgen. Warum das Parken auf der Strasse regelmässig deutlich billiger ist als das Parken in einem Parkhaus, erscheint mir nicht logisch – es müsste eigentlich umgekehrt sein.

Ich glaube nicht, dass es zukünftig keine Automobile im Privatbesitz mehr geben wird. Zu praktisch ist das Auto auch als Lagerort oder als Fahrzeug mit individuellen Funktionalitäten – denken wir einfach mal an Familien mit kleinen Kindern oder an Hundebesitzer.
E-Mobilität ist eine feine Sache, ob sie aber das allein selig machende in der Zukunft sein wird, glaube ich nicht. Deshalb sollten wir in Sachen Antrieb und Motorentechnik offen sein und intensiv in Forschung und Entwicklung investieren.

Um der Erderwärmung aber auch anderen ökologischen Herausforderungen wie Plastikmüll entgegenzuwirken, ist die Diskussion ums Auto eher kontrakreativ weil sie andere wichtige Themen überlagert. Ja, das Automobil aber auch Lastwagen, Flugzeuge und Diesellocks sind ökologisch ein Problem, aber bei weitem nicht das Grösste. Kohleverstromung, herkömmliche auf fossilen Energieträgern basierende Heizungen oder die Fleischproduktion machen mir da deutlich mehr Sorgen. Die Erderwärmung wird Unmengen von Methan zusätzlich frei setzen, das jetzt noch in den Permafrostböden der Nordhalbkugel gebunden ist.

Ich würde mir folgendes dringend wünschen: Mehr Intellekt statt Ideologie, mehr ökonomisches Knowhow bei ökologischen Ideologen und mehr ökologischen Verstand bei ökonomischen Ideologen. Und bei beiden die Erkenntnis, dass uns Wissenschaft und Technik helfen können und wir ihnen deshalb mehr Beachtung schenken sollten.

Und last but not least Politiker, die alles zusammenbringen und endlich klug die Weichen richtig stellen auch wenn dazu unpopuläre Massnahmen nötig sind.

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