Verkehrsinfarkt verhindern – Im Dialog mit dem Keck

30.05.2018
Andreas Keck
Verkehrsinfarkt verhindern – Im Dialog mit dem Keck

Unsere Stadt wird immer voller. Zur Rush-hour ist schon ein Stehplatz in der U-Bahn ein Volltreffer, auf den Radwegen bilden sich Staus, Parkplatzsuchen ist täglich gelebte Verschwendung von Lebenszeit und unnütze Umweltverschmutzung obendrein. Selbst die Fußgängerzone ist selten ein Ort zum Flanieren sonderen meistens einer zum Drängeln.

Unser München ist attraktiv und wächst. Deshalb müssen wir auch unsere Mobilitätskonzepte anpassen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Im Dialog mit dem Keck‘ habe ich gemeinsam mit Dr. Claus Wunderlich (Bezirksausschuss Milbertshofen) und Dr. Wolfgang Heubisch (FDP-Stadtrat) die Chance gehabt, persönliche Gestaltungsvorstellungen zum drängenden Thema Verkehr und Mobilität mit Bürgerinnen und Bürgern auszutauschen.

Zum Einstieg plädierte ich für einen politischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel. Vernunft und Logik sind wichtiger als Ideologie. Im Zentrum steht der Mensch mit seinen individuellen Mobilititätsbedürfnissen. Diese wiederum stehen gerade in einer dicht bevölkerten Metropole immer öfter im Konflikt mit den Bedürfnissen anderer Verkehrsteilnehmer. Frei nach der philosophischen Grundregel, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo sie die Freiheit des Anderen einschränkt, werden wir uns uns wohl auf Einschränkungen unserer Freiheit in Sachen Verkehr einstellen müssen.

Wie aber könnten kluge Lösungen ausschauen?

Letztlich wollen wir möglichst schnell und bequem von A nach B kommen. Mal alleine, mal mit anderen, mal mit, mal ohne Gepäck. Mal bei schönem Wetter, mal bei Regen. Immer öfter ist ein anderer Verkehrsträger die beste Wahl.

Keine Lösung ist deshalb die ideologische Diskriminierung oder Bevorzugung einzelner Verkehrsträger. Eine intelligente Vernetzung aller Optionen ist ein Schlüssel zur Lösung. Kluges Verkehrsmanagement sorgt für schnelle, flexible und bequeme Verbindungen von A nach B.  Unklug ist es, künstlich Staus zu produzieren in der Hoffnung, die Menschen werden dann schon aufs Auto verzichten. Klug ist es, die Alternativen attraktiv zu machen.

Bessere Radwege und ein attraktiverer ÖPNV werden Menschen vom Auto aufs Rad oder in die U-Bahn locken – mehr Platz dann für die, die aufs Auto angewiesen sind. Teure und knappe Parkplätze werden den Umstieg auf Carsharing befördern – weniger Autos, die auf den Straßen ungenützt rumstehen. Gut ausgebaute Ringstraßen (Mittlerer Ring und Autobahnring) mit einer guten Anbindung an den ÖPNV und andere Verkehrsträger wie z. B. Mieträder wiederum werden die Lust mindern mit dem eigenen Auto in oder durch die Stadt zu fahren.

Weniger PKW in der Stadt bedeuten mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, aber auch bessere Luft und Lebensqualität.

Mit Hilfe der Digitalsierung können wir viel erreichen. Smarte Apps wissen hoffentlich bald umfassend, wo ein Auto fahrbereit zur Verfügung steht, wo ein Fahrrad auf den nächsten Mieter wartet oder ob nicht ein Taxi die beste Option ist. Sie kennen die Fahrpläne des ÖPNV inkl. möglicher Verspätungen und Alternativen. Sie koordinieren Fahrgemeinschaften, ermitteln voraussichtliche Kosten für unterschiedliche Optionen.

Wir müssen aber auch etwas leisten: Wir müssen uns einlassen auf die neue, smarte Mobilität. Wir müssen individuelle Einschränkungen zulassen und neues ausprobieren. Zukünftig heißt es nicht Auto, Bus ODER Fahrrad sondern Auto, Bus UND Fahrrad.

Nicht nur aus diesem Grund befürworteten die anwesenden Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich Projekte wie die Anbindung der U2 an die U6, das Schließen des Autobahnrings im Süden der Stadt und auch den weiteren kreuzungsfreien Ausbau des Mittleren Rings. Insbesondere innerhalb des Mittleren Rings sind bessere Tangentialverbindungen per ÖPNV und ein deutlich besseres Radwegenetz notwendig.

Parken auf dem knappen Gut Straße muss teurer werden, auch darüber war man sich einig. Parklizenzen für 30 € pro Jahr sind ein völlig falscher Anreiz, wenn man Autos von der Straße bringen will. Eine Monatskarte beim MVV in der Stadt kostet um die 60 € – vergleichen Sie selbst.

Ergänzend dazu wurde unter den Teilnehmern rege diskutiert, ob ein vollständig kostenloser ÖPNV wünschenswert ist. Während Dr. Wolfgang Heubisch Augsburg als Paradebeispiel für einen möglichen beitragsfreien Nahverkehr nannte, klangen bei Dr. Claus Wunderlich Bedenken durch. Ein kostenloser ÖPNV könnte unter Qualitätsverlust leiden. Eine Bürgermeinung zu dem Thema schlug eine Lösung in Form einer Art Gemeinschaftsbeitrag zum bayerischen Verkehr, an dem sich jeder Bürger beteiligt, vor. Kritisiert wurde aber auch, dass es immer noch keine Oyster Card oder ähnliches für bequeme Nutzung unterschiedlicher Verkehrsträger wie in anderen Ländern gibt.

In Frage gestellt wurde auch ob es sinnvoll ist, eine Fahrt von Erding nach München so teuer zu machen, dass eine Fahrt mit dem eigenen Auto in die Stadt eine atttraktive Alternative darstellt. Hier wäre ein neues Denken sicher hilfreich.

Ob in Zukunft nun ein kostenloser ÖPNV das vorherrschende Mobilitätsmedium ist, ob wir es schaffen neue Fortbewegungsmittel wie Segways, Elektroroller oder auch autonom fahrende Fahrzeuge zu etablieren oder wie auch immer wir uns zukünftig von A nach B bewegen, eins steht fest: Eine Stadt, die so wächst wie unser München, darf nicht Stillstehen. Da war man sich am Mittwochabend einig.

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